Bildungsurlaub

Jugendbildung

Multiplikatorenbildung

„Lieber ein Geschwür am After als ein deutscher Burschenschafter!“

Günter Oettinger (CDU)

(HS) Die fast zeitlose Gültigkeit dieser Parole aus den Jahren vor 1968 – als sich linke studentische Minderheiten anschickten, weit rechtsaußen stehenden schlagenden Verbindungen mit Namen wie Arminia, Teutonia oder Germania die politisch-kulturelle Lufthoheit über bundesdeutschen Universitäten streitig zu machen – hat sich einmal mehr erwiesen. Den Anlass für die notwendige Reaktivierung des historischen Schmährufs lieferte diesmal der baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger (Mitglied der CDU und der Verbindung "Landsmannschaft Ulmia Tübingen im Coburger Convent") mit seiner Grabrede auf seinen Vor-Vor-Vorgänger Filbinger. Darin bescheinigte er dem "furchtbaren Juristen“, der im März 1945 ...

... (und schon in britischer Gefangenschaft) das Todesurteil gegen einen desertierten Matrosen erwirkt hatte und vollstrecken ließ, ein Gegner des Nationalsozialismus gewesen zu sein.  Auf Druck der Öffentlichkeit und nach einer heftigen Klatsche, die ihm seine Parteichefin Angela M. verpasst hat, bedauerte Oettinger wie in solchen Fällen üblich zunächst evtl. entstandene „Missverständnisse“, wies dann nicht geäußerte Kritiken ("Relativierung der schrecklichen Nazi-Diktatur“) als Unterstellung zurück und distanzierte sich schließlich von sich selbst, indem er seine Einordnung Filbingers als NS-Gegner zurücknahm. – Abgesehen von gewissen Einblicken in die Geisteshaltung des Burschenschafters Oettinger vermittelte die jetzt beendete (?) Affäre das – hoffentlich kurzeitige – Gefühl, in die Zeit der 1950er und 60er Jahre zurückversetzt zu sein: Damals waren aus Nazi-Tätern allenfalls "Mitläufer“ geworden, die breite Masse der vormaligen "Volksgenossen" hatte „von nichts gewusst“ und wenn nur die Hälfte jener, die behaupteten, "dagegen“ gewesen zu sein, tatsächlich diese Einstellung gehabt hätte, wäre wohl manches anders gekommen.

Weshalb die Geschichte aber doch den bekannten Verlauf nahm, wird eher verständlich, wenn man den Nationalsozialismus weniger in bekannter marxistisch-leninistischer Manier als Herrschaft traditioneller Eliten und der "reaktionärsten und aggressivsten Kreise des Finanzkapitals" über das deutsche Volk, sondern vielmehr als aus der deutschen Gesellschaft heraus entstandene totalitäre Mehrheitsdiktatur einer antsemitischen "Volksgemeinschaft" versteht. Und damit diese bittere Wahrheit nicht mit den letzten Angehörigen der an den NS-Verbrechen beteiligten bzw. darin verstrickten Generation im Grab versinkt, findet Anfang November 2007 im DGB Tagungszentrum Hattingen unter dem Titel „Hitler und die Volksgenossen – Stillschweigen, Zustimmung und Mittäterschaft im Nationalsozialismus“ ein Seminar statt, in dem Hans Filbinger ganz gewiss nicht posthum zum Widerstandkämpfer erklärt wird. – Weitere Informationen finden Sie hier.