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Beim Klimaschutz besteht noch deutlicher Verbesserungsbedarf in der Industrie

Schornstein

Dass die Diskussion um den Klimawandel in so kurzer Zeit derart in Gang kommen würde, hatten sich viele Unternehmen nicht träumen lassen. Sie wurden laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung geradezu überrumpelt von dem neuen Bewusstsein, das ihr Firmen-Image in Gefahr brachte. Anstatt sich jedoch aufrichtig der Verantwortung zu stellen und das Problem bei der Wurzel zu packen - die Umweltbelastung zu verringern - setzten die Unternehmen auf teure Kampagnen, um in der Öffentlichkeit als umweltfreundlicher zu erscheinen, als sie es in Wahrheit sind.

"Greenwashing" nennt sich diese Arbeitsweise im Fachjargon. Magere Investitionen in erneuerbare Energien werden öffentlich wie ein Meilenstein dargestellt, die Fortsetzung umweltzerstörerischer Praktiken wird dagegen bewusst verschleiert.

Ein US-Autobauer nutzt z.B. die neue Naturdokumentation "Unsere Erde", um auf seine Internetseite www.dienaechstegeneration.de zu verweisen. Unter Vogel-Gezwitscher und umherwehenden virtuellen Blättern bewirbt dort der Autohersteller seine neuen "Flexifuel"- Modelle. Diese lobt das Unternehmen als sehr umweltfreundlich, da sie neben konventionellem Treibstoff auch Bio-Ethanol tanken können. Bio-Ethanol habe den Vorteil, dass bei seiner Verbrennung nur das CO2 ausgestoßen werde, das von der Pflanze vorher aufgenommen wurde. Somit sorge ein Auto, das mit Flexifuel betankt werde, für einen erheblich geringeren CO2-Ausstoß.

Diese Milchmädchenrechung geht jedoch in Wahrheit nicht auf. Häufig werden bei der Herstellung von Bio-Ethanol so viel Energie und Düngemittel eingesetzt, dass der CO2-Spareffekt gegenüber Treibstoff aus Erdöl verloren geht. Außerdem werden - um Felder für den Anbau von Kraftstoffpflanzen zu gewinnen - zur Zeit riesige Regenwaldflächen verbrannt, die zum großen Teil auf Torfmoorböden stehen. Allein in 2006 wurden durch die Verbrennung solcher Flächen zwei Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt, das sind fast zehn Prozent der globalen Emissionen.

Auch im Hinblick auf seine Klimaanlagen nimmt es der US-Konzern mit der Umweltfreundlichkeit nicht so genau. Seit Jahren sperrt er sich dagegen, klimaschonendere Alternativen zu dem von ihm verwendeten fluorhaltigen R 134a (chemisch: Tetrafluorethan) zu gebrauchen. Die Präsentation des Autoherstellers im Zusammenhang mit dem Film "Unsere Erde", der ein größeres Umweltbewusstsein wecken soll, erweist sich vor diesem Hintergrund als fehl am Platze und verlogen.

Ein neues Blog mit Namen "Der Klima-Lügendetektor" will Konzernen bei falsch vorgespiegeltem Umweltbewusstsein keine Chance geben. Das Projekt wurde vom größten deutschen Umweltmagazin "Greenpeace-Magazin" und von dem unabhängigen Internetportal zum Klimaschutz "www.wir-klimaretter.de" ins Leben gerufen. Aus Ärger über heuchlerische Aktionen, in denen sich umweltbelastende Unternehmen als klimafreundlich inszenierten, entwickelten einige Journalisten und Umweltaktivisten das Blog, in dem dreiste Verdrehungen von Lobbyisten schlicht widerlegt werden. 

Ebenso wollen die kritischen Journalisten das Bewusstsein bei ihren Kollegen wecken, PR-Berichte nicht unreflektiert in Zeitungsberichten wiederzugeben und Presse-Mitteilungen von Konzernen zu hinterfragen. Das Thema Klimaschutz wird noch lange öffentlich diskutiert werden, und damit einher geht ein weiteres Greenwashing von Konzernen. "Aber wenn man ihre grüne, leere PR durchkreuzt, kann man die Konzerne vielleicht doch zu einem ehrlichen Engagement in den Erneuerbaren Energien bewegen", sagt der für den Lügendetektor verantwortliche freie Journalist Toralf Staud zur Süddeutschen Zeitung.

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