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Ecuador-Kolumbien-Venezuela

(MK) Die durch den Angriff Kolumbiens auf ein Camp der Farc-Rebellen auf ecuadorianischem Boden ausgelöste Krise ist beigelegt. Doch die Abwendung eines drohenden Krieges ist noch keine Lösung der zugrunde liegenden Probleme.

Der Hintergrund der zuletzt sichtbar gewordenenen Spannungen ist ein seit mehr als 40 Jahren andauernder bewaffneter Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung sowie den von ihr unterstützten paramilitärischen Gruppen und linksgerichteten Guerillagruppen. Die Zivilbevölkerung wird von beiden Seiten drangsaliert. In Kolumbien werden die meisten Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika begangen. Nahezu 3 Millionen Flüchtlinge gibt es im eigenen Land, weitere 1,5 Millionen in Venezuela. Kolumbien ist weltweit das Land mit den meisten Entführungen und politischen Morden, wovon nicht zuletzt Gewerkschafter in besonderer Weise betroffen sind, wie die Berichte von amnesty interntionaal alljährlich ausweisen.

ELN („Nationale Befreiungsarmee“) und FARC („Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“) heißen die beiden seit 1964 operierenden Guerillagruppen. Während die ELN seit Ende Oktober 2006 Friedensverhandlungen mit der Regierung unter Präsident Álvaro Uribe führt, befindet sich die marxistische Rebellengruppe Farc weiterhin im Krieg mit den Militärs. Die Farc ist insbesondere in den Grenzgebieten zu Ecuador, Venezuela und Panama stark vertreten. In diesen Gegenden wird besonders viel Koka angebaut, was den militärischen Hilfen der USA für die kolumbianische Regierung seit langem die offizielle Legitimation liefert: die Bekämpfung der internationalen Drogenkriminalität. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass es auch und gerade die rechten Paramilitärs sind, die sich aus dem Kokaanbau und dem Handel mit Kokain finanzieren und das sie mit den derzeitigen Machthabern in Kolumbien aufs Engste verzahnt sind.

Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien belastet die Beziehungen des Landes zu Ecuador und Venezuela seit langem. Kolumbien behauptet, dass seine beiden Nachbarn kolumbianischen Rebellen Unterschlupf gewähren. Der venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez hat nie einen Hehl aus seiner ideologischen Nähe zu den Rebellen gemacht. Er, wie auch der linksorientierte ecuadorianische Staatspräsidenten Rafael Correa, steuern zudem einen anderen regionalpolitischen Kurs. Während Uribes Kolumbien auf eine intensive Kooperation mit den USA setzt, sind Chávez und Correa Befürworter einer starken regionalen Integration, um nicht zuletzt den Einfluss der USA in Lateinamerika zurückzudrängen.

Der Konflikt hat viele Wurzeln und Facetten. Welche Rolle spielen die USA und ihr Bestreben, im „Hinterhof Lateinamerika“ ihren Einfluss aufrechtzuerhalten. Oder Russland? Versucht es über Venezuela Einfluss auf die lateinamerikanische Politik zu nehmen? Solche und viele andere Fragen zu diskutieren, unter anderem mehr über die wirtschaftlich-soziale Lage und den über mehrere Jahre zurückverfolgbaren politischen Linksschwenk auf dem lateinamerikanischen Halbkontinent zu erfahren, besteht in einem Seminar des DGB Bildungswerk Gelegenheit.

(Autor: Manfred Kubik)