„Ludwig teilt nur einige seiner Profilinformationen mit allen“

Das Spannungsfeld zwischen dem Bedürfnis nach Privatsphäre und gesellschaftlicher Teilhabe bei der Nutzung sozialer Netzwerke.
Dieser Satz erscheint beim Online-Dienst Facebook, wenn man auf dem Profil von Ludwig landet. Was steckt bei näherer Betrachtung hinter dieser Aussage? Wie viele Informationen gibt Ludwig wirklich Preis und an wen? Nur an seine Freunde? Wo landen seine Daten? Wer könnte Nutzen davon tragen?
Dies ist nur eine kleine Anzahl an Fragen, die sich Nutzer wie Ludwig stellen sollten, bevor sie dort ein solches Profil anlegen. Doch wie ist es um den Datenschutz in den gängigen Online-Diensten bestellt? Reicht es aus, an die AGBs ein Häckchen zu setzen, ohne sich über Datenbestimmungen, Folgen und Veränderungen im Klaren zu sein?! Für viele Nutzer des Web 2.0 stellt die Datentransparenz in den offenen, sozialen Netzwerken eine Gefahr dar, über die sich die Wenigsten im Klaren sind. Einige Nutzer geben private und politische Interessen oder auch intime, persönliche Vorlieben preis, ohne sich über eventuelle Folgen Gedanken zu machen. Datenweitergabe wird immer einfacher und der Schutz der Privatsphäre für den Einzelnen immer bedeutender.
Spiegel-online berichtet in dem Artikel Nerds wollen Facebook-Alternative programmieren über New-Yorker Informatikstudenten, die ein soziales Netzwerk erstellen, bei dem der Schutz der Privatsphäre eines jeden Nutzers gewährleistet wird. Durch die Idee des Peer-to-peer-Netzwerkes, machen die Hersteller es möglich, dass die User nicht auf die Einstellungen des Plattformbetreibers zurückgreifen müssen. Das eigene Betreiben kleiner Server führt dazu, dass die Daten nicht an eine Zentrale geschickt werden, sondern direkt beim erwünschten Kommunikationspartner landen.
Zurzeit haben die gängigen Netzwerkbetreiber wie StudiVZ oder Myspace kein großes Interesse daran, ihre Mitglieder über mögliche Datenverwendungen zu informieren.Diese Gemeinschaftsportale können jedoch nur entstehen und funktionieren, wenn jeder sein persönliches Profil erstellt. Anwender mit ausgedachten, fiktiven Profilen und lustigen Benutzernamen können die Vorteiler solcher Online-Dienste nicht nutzen. Sie haben keine Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, die ihnen in der realen Welt von Nutzen sein könnten. Wer sich diesem sozialen Medium entzieht, unterliegt leicht einem latenten Druck, in eine Außenseiterposition zu geraten und das Gefühl etwas zu verpassen. Ein Großteil der User scheint der Verlust ihrer Privatsphäre egal zu sein, was ebenso mit der Unwissenheit über mögliche Gefahren zusammenhängt. Sie haben keine moralischen Bedenken, es gibt keine Hemmschwelle, irgendetwas nicht öffentlich mitzuteilen. Auch durch das fehlende, technische Know-how und die Bequemlichkeit, daran etwas zu ändern, entwickelt sich blindes Vertrauen in die Betreiber solcher Plattformen. Die Gefahr der persönlichen Verwundbarkeit steigt in unvorhergesehene Größenordnungen an und spielt dabei eine ernstzunehmende Rolle. Angefangen vom Vorstellungsgespräch, in dem pikante Fragen zu nächtlichen Sauf-Orgien entstehen können bis hin zu Datenmissbrauch von Stalkern, Pädophilen und Hackern. Das Internet vergisst nichts sollte immer im Hinterkopf behalten werden, damit nicht bald die eigenen Urlaubsbilder im Bikini auf der nächsten Porno-Webseite wieder zu finden sind. Die erhofften Vorteile erscheinen somit höher als die Nachteile durch den Verlust der Privatsphäre.
Die Erhöhung des sozialen Kapitals bleibt jedoch nicht der einzige Ertrag für den Nutzer sozialer Netzwerke. Durch den ständigen Austausch von Informationen über verschiedene Kommunikationsforen, Chatfunktionen und Gruppenbildungen wird es möglich, von zu Hause aus Beziehungen der realen Welt aufrecht zu erhalten, Gleichgesinnte zusammen zu bringen, neue Freunde zu finden oder sich sogar als Produkt zu vermarkten. Durch aktive Teilnahme im Web entstehen viele Vorteile für das reale Leben so zum Beispiel Kontaktpflege, Partnersuche, Bildungsmöglichkeiten, Persönlichkeitsbildung, Stärkung des Sozialverhaltens und Erhöhung der Karrierechancen. Ständiges Aktualisieren und designen des eigenen Profils wird zur Identitätspflege. Ebenso das Interesse am Leben anderer Personen, Austausch über aktuelle Themen oder im Wettkampf gegen seine Freunde einen virtuellen Bauernhof zu hüten, kann schnell zur persönlichen Lieblingsbeschäftigung werden. Unumstritten positiv an sozialen Netzwerken ist die Entstehung des Gemeinschaftsgefühls. Jedes Mitglied kann sich repräsentieren und frei seine Meinung äußern, um Gleichgesinnte zu finden. Nicht nur die virtuelle Wahlkampfbühne von Barack Obama hat gezeigt, dass in den großen sozialen Netzwerken kleine soziale Netzwerke gebildet werden, die durch dieses moderne, soziale Medium nicht nur neue Formen der politischen Bildung mit sich bringt. Dieses persönliche Empfinden spiegelt sich auch in Zahlen wieder. Die international größte soziale Plattform, die auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen konnte, ist Facebook mit 70 Millionen aktiven Nutzern im Monat. Ebenso erfolgreiches Werkzeug vieler Freiberufler und Selbstständiger stellt die Plattform Xing dar, die über 7,5 Millionen Mitglieder im Jahre 2009 aus über 200 Ländern aufweist. Auf nationaler Ebene haben vor allem soziale Netzwerke wie StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ auf dem deutschen Markt insgesamt mit über 12 Millionen Nutzern den größten Erfolg verbucht. Alleine im Jahre 2008 nutzen in Europa über 42 Millionen Menschen regelmäßig soziale Netzwerke und es werden weltweit jeden Tag 250.000 Nutzer mehr. Weitere Anregungen:
- http://chaosradio.ccc.de/cr134.html
- http://carta.info/24397/die-ideologie-datenschutz/
- http://www.tagesspiegel.de/zeitung/lebenslang-abrufbar/1225004.html
