„Ich weiß, was du im Mediensommer getan hast“

Der Hattinger Mediensommer ist zu Ende. Die 67 TeilnehmerInnen reisen nach Hause, im Gepäck haben sie sicher einen Koffer voller Eindrücke aus den eigens besuchten Seminaren, aber auch aus den anschaulich präsentierten Ergebnissen der parallel gelaufenen Veranstaltungen.
Guido Brombach, Bildungsreferent und Leiter des Bereichs Computer und Medien, ist es sehr gut gelungen, die Abendvorträge und die Ergebnispräsentation am Donnerstagabend so zu organisieren, dass die TeilnehmerInnen originelle seminarübergreifende Eindrücke gewinnen konnten. So berichtete Markus Beckedahl, Referent des Seminars "Hacken statt cracken" und mittlerweile deutschlandweit bekannter Blogger des Webblogs www.netzpolitik.org, wie sich mit spektakulären Aktionen per Weblog Zusammenhänge medial verbreiten lassen, wenn die "klassische Presse" kaum Notiz davon nimmt. Frieder Nake und Susanne Grabowsky (Seminar: Sinn und Unsinn mit Powerpoint) entführten das Publikum in die "Zeit, in der die Medien noch nicht digital hießen" und erinnerten u.a. an den Medientheoretiker Marshall McLuhan, der in den 60er Jahren mit seiner These "The medium is the message" populär geworden war.
Am Abend der Ergebnispräsentation offenbarte sich die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten, die sich auf einem Mediensommer bietet, um alle TeilnehmerInnen an den Inhalten und Erkenntnissen der jeweils anderen Seminare teilhaben zu lassen. Nach einer rockigen Trommeleinlage der jüngsten TeilnehmerInnengruppe - der anwesenden Kinder - zeigte ein Vertreter des Seminars "Hacken statt cracken", wie man mit Hilfe nützlicher Programme seine Daten vor unerwünschten Zugriffen schützen kann, geschehe dies nun im Internet oder vor dem heimischen PC.
VertreterInnen des Seminars "Inszenierung von Politik und Zeitgeschehen im Film" wählten - wie sollte es anders sein - für ihre Selbstpräsentation das Medium des Films. Eine erschreckende Zukunftsvision bekam das Publikum zu sehen, die mit etwas Vorstellungskraft angesichts der aktuellen Datengier von Unternehmen und Staat von der Realität gar nicht weit entfernt sein muss. Unzählige Menschen in einer Einkaufspassage waren in dem Film zu sehen, die alle einen Chip bei sich trugen und so, jede(r) für sich, Informationen über sich verrieten. Beobachter bekamen dadurch schon bei Erscheinen der Person auf dem Bildschirm eingehende Informationen wie Hautfarbe, Kundenverhalten, Körpermaße und den jeweiligen Aufenthaltsort angezeigt.
Aber auch das Grundlagenseminar im Umgang mit Computern zeigte, dass die Aktivitäten weit über eine Einführung in die Textverarbeitung hinausgegangen sind. In nur vier Tagen haben die TeilnehmerInnen ein eigenes "Mediensommer - Journal" auf die Beine gestellt. Professionell gesetzte Artikel spiegeln die Themen wieder, die inhaltlich diesen Mediensommer geprägt haben: Allem voran steht der Datenschutz und der Kampf zwischen Microsoft und der Open Source Community. Die Zeitung schließt auf ihrer ersten Seite mit Zitaten von Oscar Wilde, von denen eines sich gut auf den diesjährigen Mediensommer übertragen lässt: "Denken ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis".
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