Tagungsdokumentation
Ratschlag Bürgerfunk 2009
Die Tagungsreihe "Diskurs Bürgermedien" reflektiert am 27. und 28. April 2009 grundsätzliche Fragen der Partizipation an den Medien (Themenplan ).

Sie versucht die Bürgermedien miteinander ins Gespräch zu bringen, Kooperationen zu stiften, die Chancen der digitalen Entwicklung auszuloten, interessante und neue Ansätze von Medienkompetenz- und Kooperationsprojekten zu präsentieren und zu diskutieren.In diesem Jahr steht der Erfahrungsaustausch nach der Novellierung des Landesmediengesetzes im Vordergrund, der Blick wird auch auf Verbreitungsgebiete jenseits Nordrhein-Westfalens gerichtet sein. Für die "Daheim-Gebliebenen" wird es an dieser Stelle eine ausführliche Tagungs-Dokumentation sowie einen Videostream geben.
Ratschlag Bürgerfunk 2008
Das politische Geschehen rund um den Bürgerfunk NRW hat sich beruhigt – so scheint es. Das neue Landesmediengesetz ist vom Landtag NRW verabschiedet, die Bürgerfunksatzungen und -richtlinien sind von der Landesanstalt für Medien verfasst und in Kraft gesetzt worden – den alten Bürgerfunk in NRW gibt es damit nicht mehr.
Diese Veränderungen haben auch schmerzhafte Narben in der Bürgerfunklandschaft hinterlassen. Doch die eigentliche Auseinandersetzung um Orientierung im neuen System hat jetzt gerade erst begonnen.
Ratschlag Bürgerfunk 2007
Die Tagungsreihe reflektiert seit über zehn Jahren grundsätzliche Fragen der Partizipation an den Medien. Sie versucht Bürgermedien miteinander ins Gespräch zu bringen, Kooperationen zu stiften, die Chancen der digitalen Entwicklung auszuloten, interessante und neue Ansätze von Medienkompetenz- und Kooperationsprojekten zu präsentieren und zu diskutieren. Dieses Jahr allerdings steht die Tagung unter einem "besonderen" Stern.
Sozialstaaten und Geschlechterverhältnisse in Mittelosteuropa
Mehr als 15 Jahre nach dem Ende des Realsozialismus in den mittelosteuropäischen Ländern (MOE) und etwa zwei Jahre nach der Aufnahme von acht dieser Länder in die Europäische Union (EU) richtete die Tagung den Blick auf die dortigen Sozialstaaten. Dies geschah im Vergleich mit Westeuropa sowie im Kontext des europäischen Integrationsprozesses. Es war das Anliegen der Tagung, den gegenwärtigen Charakter der Wohlfahrtsstaaten in MOE zu analysieren. Inwiefern sind die sozialen Sicherungssysteme dort mit den aus West- und Südeuropa bekannten Typen vergleichbar? Veränderungen in Richtung „aktivierender Sozialstaat", Umbau der Sozialversicherungssysteme und Leistungsbeschneidungen sind auch in Westeuropa im Gange. Ergibt sich eine Annäherung der Sozialpolitiken? Wer „lernt" hier von wem? Und was bedeuten diese Erkenntnisse für die Stärkung der sozialen Dimension der EU?
Zudem wurde untersucht, wie die sich wandelnde Sozialpolitik in den MOE-Staaten die Geschlechterverhältnisse beeinflusst. Betrachtet wurde erstens die Erwerbsintegration von Frauen, zweitens die fortbestehenden und neuen Formen der Kinder- und Angehörigenbetreuung, schließlich drittens die häusliche Arbeitsteilung in der Familie. Verlaufen Veränderungsprozesse national sehr unterschiedlich oder schält sich ein allgemeiner Trend heraus? Befindet sich die wohlfahrtsstaatliche Politik im Einklang mit den Lebensentwürfen und Einstellungen der Frauen und Männer? Hat sie im Kontext der wirtschaftlich-sozialen Transformation den Grad der Gleichstellung von Frauen verändert? Ist eher eine Re-Traditionalisierung oder Modernisierung der Geschlechterverhältnisse zu beobachten? Diesen und anderen Fragen wurden am Beispiel des Arbeitsmarktes, der Alterssicherung und der Armutsbekämpfung in Vorträgen von und Diskussionen mit WissenschaftlerInnen aus Ost- und Westeuropa nachgegangen.
(Un-)Sichtbares und Medien: Bild - Sprache - Verstehen
23.10.2002 bis 25.10.2002
Diese Tagung handelt vom Umbruch von den Bildmedien (z.B. Fernsehen) zu den Computern. Dieser Umbruch war und ist in seiner Qualität und seinen Folgen umstritten. Die einen betonen, dass der Computer sich grundsätzlich von den Bildmedien unterscheide, nicht auf Bildern beruhe, sondern auf abstrakten Strukturen wie Texten, Links, Algorithmen und Schrift. Das gelte auch für Datennetze. Das Web z.B. sei ein "Schriftuniversum", dass die Dokumente im n-dimensionalen Raum anordne und durch Links vernetze. Die "Gutenberggalaxis" stünde keineswegs vor ihrem Ende; ganz im Gegenteil, die Explosion der Schrift sprenge die Herrschaft der Bilder.
Dagegen sprechen die Apologeten von Multimedia vom Ende der "Gutenberggalaxis"; Buchkultur und textbezogene Diskussionen verschwänden. Die Schrift verliere an Autorität und Macht. Sie sei ein beschränktes, restriktives System, das Multimedia nun zu überwinden helfe. Hunderttausende träfen sich jetzt in Datennetzen, um in grafischen, interaktiv und assoziativ zu nutzenden Umgebungen zu kommunizieren und kooperieren.
Die Tagung soll diese Sichten und Zusammenhänge ausführen und vor diesem Hintergrund die Frage der Bilder und der Schrift reflektieren mit dem Ziel, zu überlegen welche praktische Perspektive sich daraus für die Medienentwicklung insbesondere aber für die Medienbildung ergibt.
Bildungstagung: Internet und Ökonomie
Erst hat die Börse den so genannten ‘Neuen Markt’ zusammen mit den Medien hochgejubelt und einen regelrechten Run auf Neue Marktwerte produziert, dann kam der Crash, und im Herbst 2002 stellte die Boerse den Nemax fast stillschweigend ein. Aber war ‘New Economy’ einfach nur Gerede? Nur heiße Luft? Oder hatte z.B. der mit dem Börsenboom der New Economy verbundene Internethyp nicht auch materielle Ursachen, die jetzt hinter diesem Desaster zu verschwinden drohen? Schafft das Internet der Ökonomie nicht doch neue Bedingungen? Wie prägt es Arbeit? Welche Chancen und welche Gefahren sind damit verbunden? Gibt es Alternativen zu den gegenwärtigen Entwicklungen in der IT-Branche? Das sind einige Fragen, denen sich diese Bildungstagung mit nüchternem Blick widmen wird, um auszuloten, ob eine Neuorientierung notwendig und möglich ist.
KontrollNetze vs. Privatsphäre
Die Tagung „KontrollNetze“ will thematisieren, wie weitreichend und engmaschig die Überwachungsnetze gegenwärtig geknüpft sind und welche Potentiale die zukünftige Entwicklung birgt. Welche Rolle spielen neue Technologien und die Verbreitung von Computernetzen dabei? Welche Interessen verfolgt wer mit der zunehmenden Überwachung? Und welche Gefahren bringen die KontrollNetze mit sich – für die Gesellschaft im Ganzen und für den einzelnen Menschen, ob als Bürger, als Arbeitnehmer oder als Konsument?
Diesen und weiteren Fragen widmen sich Vorträge interessanter und kompetenter Referenten und Workshops, in denen die Themen mit praktischem Anschauungsmaterial vertieft werden können. Darüber hinaus soll auch die Frage aufgeworfen werden, warum denn sich offensichtlich so wenige Menschen an den KontrollNetzen stören. Ist eine allgegenwärtige Kontrolle der Preis für ein sicheres Zusammenleben? Oder haben wir nichts zu verbergen? Sind diese Fragen vielleicht falsch gestellt, weil sie autonome Individuen unterstellen, sich die Individuen aber in allen Kontexten (Familie, Arbeit, Schule etc.) immer auf Erwartungen und Kontrollen des jeweiligen sozialen Kontextes hin verhalten, ja mehr noch, dass sie in diesem Bezug erst ihre Individualität entfalten?
Tatsächlich scheint fast jede Maßnahme für sich einzeln betrachtet sinnvoll und vertretbar. Aber was bedeuten die KontrollNetze im größeren Maßstab und mit Blick auf die Zukunft, vor allem unter dem Aspekt, dass alle Daten mit geringem Aufwand dauerhaft gespeichert und miteinander verknüpft werden können?
Entwicklung und Einsatz Freier Software
Entwicklung und Einsatz Freier Software –
kontraproduktiv für Arbeit und Geschäft?
Oder den neuen Bedingungen einer Netzwerkökonomie adäquat?
Freie Software und E-Government
21.01. - 23.01.2004
Digitale Datennetze sind das Rückgrat der gesellschaftlichen Kommunikations- und Informations-Infrastruktur. Diese einem einzigen Konzern zu überlassen, nämlich Microsoft , würde bedeuten, für das Funktionieren von Wirtschaft, Demokratie und Kultur zentrale gesellschaftlichen Bereiche der Verfügungsgewalt eines (Beinahe-)Monopols zu unterwerfen.
Noch zögerlich zwar, aber inzwischen mit einer erfreulichen Öffentlichkeitswirksamkeit beginnen sich daher mehr und mehr öffentliche Verwaltungen aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Beispiele sind der Deutsche Bundestag, die Städte München, Schwäbisch Hall usw. Auch Entwicklungsländer gehen einen ähnlichen Weg. Jüngst gab Brasiliens Regierung bekannt, alle mit öffentlichen Geldern finanzierten Softwareprojekte als Open Source zu veröffentlichen. Darüber hinaus stützt sich eine Reihe Entwickler proprietärer Software auf Elemente Freier Software (darunter IBM). Gleiches gilt vor allem für die kleinen Internetdienstleister, und für fast alle geschäftlichen und privaten Anwendungen ist seit einiger Zeit bereits die entsprechende Freie Software aus dem Internet zu downloaden. Aber Freie Software wird nach wie vor als für die Entwicklung der Wirtschaft schädlich denunziert. Die andere Position spricht vom genauen Gegenteil, nämlich davon, dass die Freie Software-Bewegung durchaus das Potenzial habe, in neuen Dienstleistungsnetzwerken Arbeit zu schaffen. Vor diesem Hintergrund soll sich die Bildungstagung mit den folgenden Themen befassen (nicht mehr online).
Diskurs Bürgermedien 2004
Die Bürgermedien sind landauf landab in der Diskussion, sie werden als unbeweglich und unprofessionell kritisiert – mit ganz unterschiedlichen Folgen: von der Zuweisung eines Programmauftrages über ihre Umgestaltung zu Ausbildungskanälen bis hin zu ihrer Abschaffung.
Der reine Partizipationsgedanke scheint im Zeichen der Digitalisierung mit ganz neuen Möglichkeiten der Mediennutzung und der Beteiligung am medialen Geschehen nicht mehr allein tragfähig – allenthalben kommt die Medienkompetenzvermittlung als neue Aufgabe hinzu.
Doch eine mögliche Konzentration auf die neuen Perspektiven wird die Diskussion um die Qualität(en) der Bürgermedien nicht erledigen. Und diese Qualitätsdebatte kann nicht abstrakt anhand von professionellen journalistischen Leitlinien geführt werden, sie muss sich aus den gesellschaftlichen Erwartungen an die „unprofessionellen“ Bürgermedien und ihren spezifischen Leistungsmöglichkeiten speisen, natürlich auch die Grundprinzipien des jeweiligen Mediums berücksichtigen und sich nicht zuletzt am Medienempfänger orientieren – was nützt die schönste Botschaft, wenn sie niemand sehen oder hören will, weil sie ohne Relevanz oder auch nur schlecht aufbereitet ist.
Diesem Aspekt widmet sich der erste Tag unserer Tagung „ Diskurs Bürgermedien“ mit einem Impuls aus der Medienpolitik zur Frage, was die Bürgermedien leisten können und sollen, mit Programmanalysen aus der „Außensicht“ und nicht zuletzt mit einer Qualitätsdiskussion aus der „Innensicht“ der Bürgermedien selbst.
Der zweite Tag steht im Zeichen einer Zwischenbilanz der von der Landesanstalt für Medien initiierten und geförderten Pilotprojekte zu den im Landesmediengesetzt NRW neu formulierten Perspektiven der vernetzten Bürgermedien: lokale Medienkompetenznetzwerke, Ausbildungs- und Erprobungskanäle und Erprobung neuer Verbreitungsplattformen.
Desweiteren wird auch ganz praktisch und anschaulich der Diskurs um die Nutzung Freier Software in der Tagung thematisiert: Mit Linux gegen Microsoft?! Opensourcesoftware für freie (Bürger) Medien?
Mit einer angenehmen und attraktiven Antwort auf die Qualitätsfrage endet dieser Tag: Die Verleihung des ersten Bürgermedienpreises im Haus Kemnade in Bochum
Der Kreis schließt sich, wenn am letzten Tag unter dem Stichwort „Qualitätssicherung durch Qualifizierung“ verschiedene Qualifizierungsangebote vorgestellt werden.
Bürgermedien brauchen Relevanz und Akzeptanz – dann haben sie eine eigene Qualität und eine Zukunft.
Megaphon und Mikrophon: Der Sound der Politik
Der Raum des Politischen ist substantiell ein klanglicher. Politik wird nicht nur durch Handlungen und Rhetorik, sondern auch durch Stimmen, Sounds und ihre Aufnahme und Verstärkung geprägt. In einer medial vermittelten Politik stellt sich die Frage nach den Verfahren, die Politik eine klangliche Identität und Prägnanz verleihen. Die Tagung diskutiert die vielfältigen, konkurrierenden Sounds des politischen Raums, also Fragen nach politischen Sounds, einer Politik es Sounds und einem Sound der Politik.
Stimmen sind nie bloßes Transportmittel einer politischen Aussage, sondern mit ihrem Klang ein bedeutsamer Bestandteil einer Rede und ihrer Botschaften. Man hört ihren Sound, bevor man dem zuhört, was gesprochen wird. Das Vermögen, Stimmen und Sounds wieder zu erkennen und zu unterscheiden, kommt im Raum des Politischen nicht weniger zur Anwendung als im Bereich der Musik. Die Sounds gehen auf komplexe Konstellationen aus technischen Apparaten, architektonischen Räumen und Körpertechniken zurück, die garantieren, dass sich die Klänge der parlamentarischen Rede historisch unterscheiden und dass eine Diktatur ebenso durch akustische Merkmale ‚Identität’ erhalten kann wie soziale Bewegungen und Demonstrationen. Historische, mediale und personale Differenzierungen von Klang sind ein Signum der jeweiligen Politik. Mittels akustischer Authentifizierungs- und Legitimierungsstrategien werden politisch-mediale Räume strukturiert. Die Wahl klanglicher Mittel soll der Politik Identität und Prägnanz verleihen. Zugleich werden in der (Pop-)Musik politische Haltungen durch abweichende Sounds und Soundtechnologien artikuliert.
